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Friedrich Cerha


"Trotz meines hohen Alters suche ich immer noch nach Neuem. Der Weg auf dem ich suche, führt notgedrungen zu mir selbst. Es geht also auch noch immer darum, neue Seiten an mir selbst zu finden. Das intensive Erleben von Musik ist ein Weg in sich hinein - auch für den Zuhörer."

Der 1926 in Wien geborene Komponist Friedrich Cerha gilt seit langem als bedeutendster österreichischer Komponist der Gegenwart. 1958 gründete er das Wiener Solistenensemble „die reihe", das er Jahrzehnte lang leitete. Bereits 1960/61 entstand der Zyklus Spiegel, ein für Cerhas Schaffen zentrales Werk. Mit seiner 1979 entstandenen Fassung des 3. Aktes von Alban Bergs Lulu machte er sich auch international einen Namen.

Immer wieder setzt sich Friedrich Cerha mit unterschiedlichen Stilrichtungen wie der Zwölftonlehre, dem Neoklassizismus oder der Seriellen Musik auseinander. Dabei geht es ihm stets um emotional mitvollziehbare Entwicklungen, die sowohl seine großen Orchesterwerke als auch seine Kammermusik prägen.

Zentral für sein Schaffen sind die Musiktheaterwerke. Bereits für den Zyklus Spiegel gibt es eine Version für Bewegungsgruppen, Licht und Objekte. Kurze Zeit später entsteht das erste Musiktheaterwerk Netzwerk. Ende der siebziger Jahre beschäftigt er sich mit Bertolt Brechts Baal, und es entsteht das gleichnamige Werk, in dem Cerha vor allem das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft thematisiert. Weitere Werke wie Der Rattenfänger (1984-1986) und Der Riese vom Steinfeld (1997) folgen. Zu seinen wichtigsten Orchesterwerken zählen die Langegger Nachtmusik III sowie Impulse für Orchester.

In den letzten Jahren sind zahlreiche Solo-Konzerte entstanden, darunter das Konzert für Violine und Orchester (2004), das Konzert für Sopransaxophon und Orchester (2003/2004) und das Klarinettenkonzert (2009). Im Herbst 2009 wurde das Konzert für Schlagzeug und Orchester (Martin Grubinger, Mozarteumorchester Salzburg) uraufgeführt. Weitere Uraufführungen von Orchesterwerken wie Instants (WDR Symphonieorchester), Like a Tragicomedy (BBC Philharmonic Orchestra) und, im Rahmen der Wiener Festwochen 2010, Kammermusik für Orchester (ORF Radio Symphonieorchester) folgten.

Sowohl die Salzburg Biennale als auch das Festival Wien Modern widmeten Friedrich Cerha 2011, dem Jahr seines 85. Geburtstages, Festivalschwerpunkte, und die darauf folgenden Uraufführungen zeugen von Friedrich Cerhas ungebrochener Schaffenskraft. Nachdem im Oktober 2011 seine Paraphrase über den Anfang der 9. Sinfonie Beethovens einen großen Beethoven-Zyklus des Gewandhauses zu Leipzig eröffnet hat, brachten die Neuen Vocalsolisten im Februar 2012 sein Werk Zwei Szenen beim ECLAT Festival Neue Musik Stuttgart zur Uraufführung.

Mit einem neuen Orchesterwerk von Friedrich Cerha eröffnet das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich seine Konzertsaison 2012/2013. Vier von insgesamt Elf Skizzen werden in drei Konzerten zur Uraufführung kommen. Im Juni 2013 wird das Münchener Staatstheater am Gärtnerplatz in Zusammenarbeit mit der Volksoper Wien die Premiere von Friedrich Cerhas neuer Oper Der Präsident präsentieren, die anschließend in Österreich gespielt wird.

Neben seiner Kompositionstätigkeit lehrte Friedrich Cerha bis 1988 an der Hochschule für Musik in Wien. Zu seinen Schülern zählen Georg Friedrich Haas und Karlheinz Essl. Friedrich Cerha ist Träger des Großen Österreichischen Staatspreises, Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften sowie Officier des Arts et Lettres. Die Biennale di Venezia verlieh ihm 2006 den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk. Friedrich Cerha ist außerdem Preisträger des oft als „Nobelpreis der Musik" bezeichneten Ernst von Siemens Musikpreises, der ihm im Rahmen eines musikalischen Festaktes im Juni 2012 verliehen wurde.